Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Wirtschaft

09.11.2017 - Artikel

Stand: März 2018

Volkswirtschaft

Kasachstan gehört laut IWF mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 158 Mrd. US-Dollar und einem BIP pro Kopf von 8.667US-Dollar im Jahr 2017 (Quelle: GTAI) zur Gruppe der erfolgreichen Transformationsstaaten. 
Mit einem Volumen von 19 Mrd. USD (Stand September 2017) und einem Anteil von 35,4 % am Gesamthandel bleibt die EU wichtigster Handelspartner vor RUS und CHN. .). Mit einem Handelsvolumen von 11,38 Mrd. USD (Stand September 2017) ist Russland größter bilateraler Außenhandelspartner, gefolgt von China mit 7,37 Mrd. USD (Stand September 2017). Der Handelsumsatz mit der Eurasischen Wirtschaftsunion ist im Vergleich zum Vorjahr um 16,8% auf 13,6 Mrd. USD erneut zurückgegangen (Stand Juli 2017 - Studie Berlin Economics).

Die von Präsident Nasarbajew verkündete Strategie 'Kasachstan 2050' formuliert die langfristigen Vorgaben für die Entwicklung des Landes. Ziel ist der Aufstieg in die Gruppe der 30 am meisten entwickelten Staaten. Eckpfeiler der kasachischen Wirtschafts- und Finanzpolitik sind neben einer geringen Verschuldung und einer Neuausrichtung der Energieversorgung, eine verstärkte Modernisierung und Diversifizierung der kasachischen Wirtschaft, um deren Abhängigkeit von Abbau und Weiterverarbeitung von Rohstoffen, insbesondere von Rohöl, zu verringern. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Ausbau der verarbeitenden Industrie, der Landwirtschaft und des Transportwesens sowie der Umstrukturierung des Energiesektors zu. Priorität genießt zudem die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie strukturschwacher Regionen.
Gleichzeitig will Kasachstan seine Ölproduktion (2017: ca. 86 Mio. Tonnen) weiter ausweiten. Die zwischenzeitlich eingestellte Förderung im Kaschagan-Ölfeld wurde wieder aufgenommen. Umfassende Modernisierungsmaßnahmen haben seit Ende 2016 zu größeren Förderungsmöglichkeiten geführt.
Die kasachische Konjunkturlage hat nach den krisenbedingt schwierigen Jahren 2015/16 ab 2017 einen Erholungskurs eingeschlagen. Positive Faktoren sind die moderate Erholung der Rohstoffpreise und die Ausweitung der Ölförderung sowie verstärkte Aktivitäten im Bau-, Agrar- und Transportsektor. Einen dank der Aufnahme der Produktion des Ölfelds Kashagan prognostizierten Boom erwartet der IWF nicht vor 2020/2021.
. Das Wirtschaftswachstum 2017 betrug 3,3% (Quellen: Kasachische Nationalbank, Weltbank und Eurasische Entwicklungsbank), in den kommenden Jahren wird mit weiteren Steigerungen bis zu 4,7 % gerechnet.
Im Jahr 2016 war die kasachische Wirtschaft nur um 1 % gewachsen. Als Reaktion auf die für einen Transformationsstaat schwache Wirtschaftsentwicklung der vorherigen Jahre hat Präsident Nasarbajew im November 2014 ein Konjunkturpaket (Nurly Zhol) aufgelegt, das durch Infrastrukturinvestitionen kurzfristig Wachstumsimpulse setzen und Kasachstan so durch die wirtschaftlich schwierige Zeit tragen soll.
Ein wichtiges Instrument zur Finanzierung dieser Maßnahmen ist der 2000 eingerichtete kasachische Nationalfonds, in den ein bedeutender Teil der Staatseinnahmen aus Ölexporten eingespeist wird (Nettowährungs- und -goldreserven der Nationalbank und des Nationalfonds  belaufen sich im Februar 2017 auf 93 Mrd. USD; Quelle: Kasachische Nationalbank, was einer neu geregelten, nachhaltigen Entnahmepolitik zuzuschreiben ist). 
Die Staatsverschuldung ist mit derzeit 21% des BIP im internationalen Vergleich niedrig. 
Nach Freigabe des Wechselkurses im August 2015 hatte der Kasachische Tenge (KZT) bis zu 50% an Wert gegenüber dem Euro verloren. Die Nationalbank ist 2016 zeitweise zu Stützungskäufen für den Tenge übergegangen, dessen Kurs sich 2017 stabilisierte und wieder frei festgelegt wird.
Die Inflation ist inzwischen ebenfalls deutlich zurückgegangen und betrug im Jahre 2017 rund 7,3%. Für 2018 wird die Inflationsrate auf den von der Kasachischen Zentralbank festgelegten Zielkorridor von 6-8% geschätzt (Quelle: Asian Development Bank/EBRD).
Kasachstan ist Mitglied der zum 01. Januar 2015 gegründeten Eurasischen Wirtschaftsunion (vorher Zollunion) mit Russland und Belarus.
Am 30. November 2015 trat Kasachstan als 162. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) bei, womit sich das Land verpflichtet, Handelshemmnisse (vor allem Zölle) abzubauen. 
Auch die Beziehungen zur OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sollen weiter verstärkt werden. Seit 2015 nimmt Kasachstan am Länderprogramm der OECD teil, welches auf Strukturreformen sowie nachhaltiges Wirtschaftswachstum abzielt. Dabei geht es im Besonderen um die Entwicklung der Regionen, die Diversifizierung der Wirtschaft sowie um eine Förderung von öffentlich-privaten-Partnerschaften. Das Programm wurde 2017 bis Ende 2018 verlängert. 

Mit der Umstrukturierung der staatl. Investitionsagentur in Kazakh Invest und begleitenden Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas unternimmt Kasachstan deutliche Anstrengungen, um ausländische Investoren anzuziehen Inzwischen hat sich Kasachstan beim „Doing Business“–Ranking der Weltbank von Platz 52 (2015) auf Platz 36 (2018) verbessert.  

Messen

In Kasachstan finden zahlreiche von deutschen Ausstellern regelmäßig besuchte Fachmessen statt, unter anderem im Bereich Rohstoff-Fördertechnik, Landwirtschaft, IT, Medizintechnik, Lebensmittel, Verpackung, Bauwesen und Innenausstattung. Die größte und bedeutendste Messe ist die alljährlich im Oktober in Almaty stattfindende Öl- und Gasmesse KIOGE.

Umwelt

Kasachstan schärft sein internationales Profil im Umweltbereich. Mit dem Ende September 2013 vorgestellten 'Green Bridge Partnership Programme (GBPP)' zielt Kasachstan auf den engeren Erfahrungsaustausch zwischen den Staaten Zentralasiens und Europas, um ein nachhaltiges Wachstum in der Region zu fördern. Zugleich treibt Kasachstan im Rahmen der 2013 vorgestellten 'Green Economy'-Strategie den ökologischen Umbau seiner Wirtschaft voran.
Vom 10. Juni bis zum 10. September 2017 richtete Kasachstan in Astana die EXPO 2017 aus. Der Titel „Energie der Zukunft: Maßnahmen für weltweite Nachhaltigkeit“ zeigte die Schwerpunkte erneuerbare Energie und grüne Technologie an. Deutschland war mit einem Pavillon unter dem Motto "Energy on Track" vertreten. Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier besuchte die Ausstellung und den deutschen Pavillon am 12. Juli 2017. 
Die Umweltsituation ist in Teilen des Landes weiter kritisch: Große Umweltbelastungen gibt es vor allem in Semipalatinsk, wo auch 20 Jahre nach Beendigung der Nukleartests immer noch radioaktive Kontamination und Strahlenbelastung menschlicher und tierischer Nahrungsmittel nachweisbar sind.Der Aral-See, einst viertgrößte Binnensee der Welt, ist seit der Sowjetzeit mit Sondermüll belastet und seit 1960 drastisch auf 10% der ursprünglichen Wasserfläche geschrumpft. Mit Hilfe von Weltbank und UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen) hat Kasachstan 2005 einen Damm auf der Nordseite des Sees (Kleiner Aralsee) fertig gestellt und den weiteren Wasserverlust eingedämmt. Auch der im Südosten des Landes gelegene Balchasch-See ist durch verringerte Zuflüsse wegen Stauseen in den Oberläufen und der Einleitung von Abwässern aus Kupferhütten gefährdet.
Mit der „Wasserinitiative Zentralasien“ unterstützt das Auswärtige Amt im Rahmen der EU-Zentralasien-Strategie seit 2008 regionale Institutionen wie den Internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees (IFAS) sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Wassernutzung. Im September 2015 wurde auf der Konferenz "Wasser und gutnachbarschaftliche Beziehungen in Zentralasien" im Auswärtigen Amt in Berlin die dritte Phase der Initiative mit Fokus auf der institutionellen Regionalkooperation eingeläutet. DEU hat sich auch mit dem Berliner Prozess und einem entsprechenden Lehrstuhl an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty besonders engagiert.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen