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Kasachstan: Wirtschaft

15.03.2019 - Artikel

Volkswirtschaft

Kasachstan gehört laut IWF mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 158 Mrd. US-Dollar und einem BIP pro Kopf von 8.667 US-Dollar im Jahr 2017 (Quelle: GTAI) zur Gruppe der erfolgreichen Transformationsstaaten.

Mit einem Außenhandelsvolumen von 26,7 Mrd. USD und einem Anteil von 34,5% am Gesamthandel bleibt die EU wichtigster Handelspartner vor Russland und China.  Mit einem Handelsvolumen von 15,9 Mrd. USD und einem Anteil von 21% ist Russland größter bilateraler Außenhandelspartner, gefolgt von China mit 10,74 Mrd. USD (13,4%).

Die von Präsident Nasarbajew verkündete Strategie 'Kasachstan 2050' formuliert die langfristigen Vorgaben für die Entwicklung des Landes. Ziel ist der Aufstieg in die Gruppe der 30 am meisten entwickelten Staaten. Eckpfeiler der kasachischen Wirtschafts- und Finanzpolitik sind neben einer geringen Verschuldung und einer Neuausrichtung der Energieversorgung, eine verstärkte Modernisierung und Diversifizierung der kasachischen Wirtschaft, um deren Abhängigkeit von Abbau und Weiterverarbeitung von Rohstoffen, insbesondere von Rohöl, zu verringern. Besondere Bedeutung kommt hierbei dem Ausbau der verarbeitenden Industrie, der Landwirtschaft und des Transportwesens sowie der Umstrukturierung des Energiesektors zu. Priorität genießt zudem die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie strukturschwacher Regionen.

Gleichzeitig will Kasachstan seine Ölproduktion (2017: ca. 86,2 Mio. Tonnen) weiter ausweiten. Die Produktion lag im Jahr 2018 bei 90,3 Tonnen. Die zwischenzeitlich eingestellte Förderung im Kaschagan-Ölfeld wurde wieder aufgenommen und spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Umfassende Modernisierungsmaßnahmen haben seit Ende 2016 zu größeren Förderungsmöglichkeiten geführt. Einen dank der Aufnahme der Produktion des Ölfelds Kashagan prognostizierten Boom erwartet der IWF jedoch nicht vor 2020/2021.

Die kasachische Konjunkturlage hat sich nach den krisenbedingt schwierigen Jahren 2015/16 ab 2017 deutlich verbessert und setzt ihren positiven Kurs fort. Positive Faktoren, wie die moderate Erholung der Rohstoffpreise und die Ausweitung der Ölförderung sowie verstärkte Aktivitäten im Bau-, Agrar- und Transportsektor, könnten nun die Umsetzung bereits eingeleiteter oder geplanter Strukturreformen (z.B.Strategic Development Plan of the Republic of Kazakhstan until 2025“) ermöglichen. Eine gewünschte Modernisierung, Diversifizierung und Digitalisierung der Wirtschaft könnte somit vorangetrieben werden.

Das prognostizierte Wirtschaftswachstum von 2018 übersteigt mit knapp 4% das Vorjahreswachstum von 3,3% (Quellen: Kasachische Nationalbank, Weltbank und Eurasische Entwicklungsbank, ERBD, IWF), und auch in den Folgejahren 2019 bis 2020 wird mit einem hohen durchschnittlichen Wachstum von 3,5% gerechnet.

Im Jahr 2016 war die kasachische Wirtschaft nur um 1 % gewachsen. Als Reaktion auf die für einen Transformationsstaat schwache Wirtschaftsentwicklung der vorherigen Jahre hat Präsident Nasarbajew im November 2014 ein Konjunkturpaket (Nurly Zhol) aufgelegt, das durch Infrastrukturinvestitionen kurzfristig Wachstumsimpulse setzen und Kasachstan so durch die wirtschaftlich schwierige Zeit tragen soll.

Ein wichtiges Instrument zur Finanzierung dieser Maßnahmen ist der 2000 eingerichtete kasachische Nationalfonds, in den ein bedeutender Teil der Staatseinnahmen aus Ölexporten eingespeist wird. Die Nettowährungs- und -goldreserven der Nationalbank und des Nationalfonds  belaufen sich Ende 2018 auf stabile 87 Mrd. USD (Quelle: Kasachische Nationalbank), was einer neu geregelten, nachhaltigen Entnahmepolitik zuzuschreiben ist.

Zur Förderung der Wirtschaft reduziert Kasachstan weiterhin zunehmend den staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft und plant in diesem Zusammenhang ein Privatisierungsprogramm von über 200 staatlichen Firmen. Eine herausragende Rolle spielt dabei das neu geschaffene Astana International Financial Center, an dessen Börse AIX bis 2020 die acht größten Assets (wie zum Beispiel Air Astana) teilprivatisiert werden sollen.

Die Staatsverschuldung ist mit derzeit 22% des BIP im internationalen Vergleich  niedrig. Der IWF prognostiziert bis 2023 einen leichten Anstieg auf 23%.

Nach Freigabe des Wechselkurses im August 2015 hatte der Kasachische Tenge (KZT) bis zu 50% an Wert gegenüber dem Euro verloren. Die Nationalbank ist 2016 zeitweise zu Stützungskäufen für den Tenge übergegangen, dessen Kurs sich 2017 festigte und wieder frei festgelegt wird. In den letzten Monaten des Jahres 2018 verlor der Tenge jedoch zeitweise wieder über 10% an Wert, wobei der Wechselkurs zurzeit allgemein starken Schwankungen unterliegt. Der aktuelle Wechselkurs ist auf der Webseite der kasachischen Nationalbank unter nationalbank.kz zu finden.

Die Inflation ist inzwischen ebenfalls deutlich zurückgegangen und betrug im Jahre 2017 rund 7,1%. Im April 2018 lag sie dann sogar lediglich bei 6,5% (Quelle: Asian Development Bank/EBRD).

Kasachstan ist Mitglied der zum 01. Januar 2015 gegründeten Eurasischen Wirtschaftsunion (vorher Zollunion) mit Russland und Belarus.

Im Dezember trat Kasachstan als 162. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) bei, womit sich das Land verpflichtet, Handelshemmnisse (vor allem Zölle) abzubauen. Die aktive Mitarbeit Kasachstan in der Organisation zeigt sich unter anderem an der Bereitschaft des Landes, als Gastgeber des 12. WTO-Ministertreffens zu fungieren.

Im Zusammenhang mit einer angestrebten OECD-Mitgliedschaft (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) verstärkt Kasachstan zunehmend die Beziehungen zu der Organisation. Bis Ende 2018 nahm Kasachstan am Länderprogramm der OECD teil, welches auf Strukturreformen sowie nachhaltiges Wirtschaftswachstum abzielte. Dabei ging es im Besonderen um die Entwicklung der Regionen, die Diversifizierung der Wirtschaft sowie um eine Förderung von öffentlich-privaten-Partnerschaften. Anstrengungen hat Kasachstan speziell in der Modernisierung der Wirtschaftsgesetzgebung sowie der Investitionsrahmenbedingungen unternommen. Des Weiteren zeichnet sich das Land  auch durch eine aktive Beteiligung in diversen OECD-Ausschüssen aus.

Mit der Umstrukturierung der staatl. Investitionsagentur in Kazakh Invest und begleitenden Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas unternimmt Kasachstan deutliche Anstrengungen, um ausländische Investoren anzuziehen. Inzwischen hat sich Kasachstan beim „Doing Business“–Ranking der Weltbank von Platz 52 (2015) auf Platz 36 (2018) verbessert.

Vom 10. Juni bis zum 10. September 2017 richtete Kasachstan in Astana die EXPO 2017 aus. Die im Rahmen der Ausstellung veranstaltete „Deutsche Woche“ hat den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, vor allem durch den Besuch des Bundespräsidenten und einigen hochrangigen Wirtschaftsdelegationen, einen starken Impuls gegeben.

Messen

In Kasachstan finden zahlreiche von deutschen Ausstellern regelmäßig besuchte Fachmessen statt, unter anderem im Bereich Rohstoff-Fördertechnik, Landwirtschaft, IT, Medizintechnik, Lebensmittel, Verpackung, Bauwesen und Innenausstattung. Die größte und bedeutendste Messe ist die alljährlich im Oktober in Almaty stattfindende Öl- und Gasmesse KIOGE.

Umwelt

Kasachstan schärft sein internationales Profil im Bereich Umwelt, sodass Umweltthemen generell mehr Aufmerksamkeit genießen. Mit dem Ende September 2013 vorgestellten 'Green Bridge Partnership Programme (GBPP)' zielt Kasachstan auf den engeren Erfahrungsaustausch zwischen den Staaten Zentralasiens und Europas, um ein nachhaltiges Wachstum in der Region zu fördern. Zugleich treibt Kasachstan im Rahmen der 2013 vorgestellten 'Green Economy'-Strategie den ökologischen Umbau seiner Wirtschaft voran. Ziel der Strategie ist es, den Anteil erneuerbarer Energien auf 3% der Gesamtproduktion bis 2020 und auf 50% bis 2050 zu erhöhen.

Die Umweltsituation ist in Teilen des Landes weiter kritisch: Große Umweltbelastungen gibt es vor allem rund um die Atomwaffentestregion Semipalatinsk, wo auch 20 Jahre nach Beendigung der Nukleartests immer noch radioaktive Kontamination und Strahlenbelastung menschlicher und tierischer Nahrungsmittel nachweisbar sind. Das Schrumpfen des Aral-Sees, einst viertgrößte Binnensee der Welt, konnte durch den Bau eines Damms auf der Nordseite des Sees (mit Hilfe von Weltbank und UNDP) eingedämmt werden. Der im Südosten des Landes gelegene Balchasch-See ist bleibt durch verringerte Zuflüsse wegen Stauseen in den Oberläufen und der Einleitung von Abwässern aus Kupferhütten gefährdet.

Mit der „Wasserinitiative Zentralasien“ unterstützt das Auswärtige Amt im Rahmen der EU-Zentralasien-Strategie seit 2008 regionale Institutionen wie den Internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees (IFAS) sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Wassernutzung. Deutschland engagiert sich weiterhin mit dem Berliner Prozess und einem entsprechenden Lehrstuhl an der Deutsch-Kasachischen Universität in Almaty für ein effektives und grenzüberschreitendes Wassermanagement.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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